Zunker macht am Ring den großen Schritt zur Titelverteidigung – Asanger erbt in der vorletzten Runde sein erstes Podium

Am Nürburgring hat Tobias Zunker den bislang wichtigsten Schritt Richtung Titelverteidigung gemacht. Der Audi-Pilot holte die Pole, führte 44 der 45 Runden an, fuhr mit 1:23,781 Minuten die schnellste Rennrunde und gewann mit 23,651 Sekunden Vorsprung. Sein ärgster Verfolger Tobias Stolp verlor dagegen schon in der Startphase den Anschluss. Nach einem verkorksten Boxenstopp kam er als Achter ins Ziel, eine 30-Sekunden-Strafe der Rennkommission warf ihn anschließend auf Rang zehn zurück. Den emotionalen Höhepunkt lieferte Johann Asanger: Der Österreicher erbte in der vorletzten Runde Platz zwei, weil sich Peter Hristov drehte, und stand damit erstmals in dieser Saison auf dem Podium. Andreas Fischer fuhr im einzigen Racing Bull bei seinem erst dritten Saisoneinsatz von Startplatz zehn auf Rang vier.


Zunker sicherte sich mit 1:21,129 Minuten die Pole Position. Dahinter wurde es kurios: Stolp und Hristov fuhren mit 1:21,439 Minuten dieselbe Zeit, Stolp bekam Startplatz zwei erst durch die Tausendstel hinter dem Komma. Bastian Boll und Asanger bildeten die zweite Reihe, dahinter folgten Daniel Böhme, Jürgen Bechtel, Rolando Tejeda, Christian Boll und Fischer. Stefano Papia, Jörn Dreier, Stefan Schubert und Kenneth Ragland schieden in Q1 aus. Thomas Langner durfte wegen zu weniger Trainingsrunden nicht am Qualifying teilnehmen und startete als 15. und Letzter.

Beim Start erwischte Stolp einen schwachen Ablauf und wurde nach hinten durchgereicht. Dahinter kam es zur ersten größeren Kettenreaktion seit Langem. Auslöser war Stolp: Die Rennkommission gab einem Protest von Bastian Boll statt. Eine leichte Berührung durch Stolp ließ Bolls Hinterachse wegrutschen, ein weiterer Kontakt stellte den Mercedes endgültig quer, und Boll fiel ans Ende des Feldes zurück. Mildernde Umstände ließ die REKO nicht gelten und belegte Stolp nachträglich mit 30 Strafsekunden.

Im Getümmel dahinter berührten sich Bastian Boll und Tejeda, Christian Boll traf Böhme, Böhme anschließend Tejeda. Papia bekam Kontakt mit Christian Boll und Fischer ab, Bechtel und Dreier jeweils mit Ragland. Böhme, Papia, Bechtel und Ragland meldeten Aufhängungsschäden.

Nach der ersten Runde führte Zunker vor Hristov, Asanger und Stolp. Christian Boll, Papia, Fischer und Schubert profitierten vom Chaos und lagen auf den Plätzen fünf bis acht. Bastian Boll war auf Rang elf zurückgefallen. Bechtel, Böhme und Ragland mussten bereits nach Runde eins zur Reparatur an die Box, Böhme wechselte dabei direkt auf Soft.

Hinter dem davonziehenden Zunker bildete sich schnell ein Dreierpaket aus Hristov, Asanger und Stolp. Asanger setzte zwischenzeitlich die schnellste Runde, kam aber nie nah genug für einen Angriff auf Hristov. Stolp wirkte auf seinen Mediums schneller als seine beiden Vordermänner, fand aber keinen Weg vorbei, weil Asanger sich mehrfach mit spätem Anbremsen verteidigte. Zunker baute seinen Vorsprung in dieser Phase auf rund sechs Sekunden aus. Nach eigener Aussage schonte er bewusst die Reifen, um seinen ersten Stint verlängern zu können.

Im Mittelfeld arbeitete sich Fischer an Papia vorbei auf Rang sechs, Tejeda folgte ihm wenig später. Tejeda eröffnete in Runde zwölf mit dem Wechsel auf Soft die Undercut-Phase.

In Runde 15 kamen Hristov, Asanger und Stolp gemeinsam an die Box. Bei Stolp ging dabei etwas schief. Er fuhr ohne neue Reifen wieder hinaus und musste eine Runde später erneut stoppen. Dann wechselte er als einziger Fahrer der Spitze auf die harte Mischung und fiel damit auf Rang acht zurück. Für den Titelkampf war das die entscheidende Szene des Abends.

Zunker blieb eine Runde länger draußen als geplant, stoppte in Runde 16 und lag nach dem ersten Wechselzyklus wieder klar vorne. Christian Boll zog seinen Stint am längsten und übernahm in Runde 17 für einen Umlauf die Führung. Nach der ersten Stoppwelle lautete die Reihenfolge Zunker, Asanger, Hristov, Christian Boll, Fischer und Tejeda.

Das schönste Duell dieser Phase lieferten sich Fischer und Christian Boll um Rang vier. Den ersten Angriff konterte Boll noch mit einem Switchback, in Runde 21 ging Fischer endgültig vorbei.

Bastian Boll war nach seinem ersten Stopp der schnellste Mann auf der Strecke. Er schnappte sich zuerst Papia und dann Stolp, der auf den harten Reifen rund eine Sekunde pro Runde langsamer war als die Spitze. Stolp seinerseits fing später seinen Teamkollegen Papia ab.

Die zweiten Stopps begannen mit Tejeda in Runde 28. Asanger und Hristov kamen in Runde 29, Zunker, Fischer, Bastian Boll und Bechtel in Runde 30. Christian Boll fuhr erneut am längsten, lag zwischenzeitlich auf Rang zwei und stoppte erst in Runde 32. Beim Herausfahren kollidierte er mit dem überrundeten Langner. Stolp blieb auf seinen Hards draußen und verzichtete auf einen weiteren Wechsel.

Hristov verlor nach seinem zweiten Stopp Zeit hinter einem überrundeten Fahrzeug. Auf den Softs fühlte er sich aber sichtlich wohler und machte Runde für Runde Druck auf Asanger. In Runde 39 setzte er sich außen herum in der Schikane durch und übernahm Platz zwei. Asanger hielt sich im DRS-Fenster, obwohl sein linker Vorderreifen nach eigener Aussage nur noch 45 Prozent hatte. In der vorletzten Runde verlor Hristov ohne Fremdeinwirkung das Heck und drehte sich. Asanger erbte Rang zwei.

Dahinter entbrannte der Kampf um Platz vier neu. Tejeda ging in Runde 39 an Fischer vorbei, musste kurz darauf aber abkürzen. In Runde 42 holte sich Fischer den Platz außen herum zurück. Christian Boll versuchte in den letzten Runden noch, Tejeda Platz fünf abzunehmen, verlor beim Anbremsen aber selbst das Auto. In Runde 44 rückte Bastian Boll noch an Stolp vorbei auf Rang sieben. Die Kommentatoren werteten das als mögliche Geste Stolps nach dem Startkontakt, der ihn später noch teuer zu stehen kommen sollte.

Zunker siegte nach 1:04:47,174 Stunden vor Asanger (+23,651 s) und Hristov (+31,527 s). Für Hristov war es das dritte Podium der Saison und nach eigener Aussage das erste Rennen, in dem er den Reifenverschleiß wieder im Griff hatte. Fischer machte als Vierter sechs Positionen gut und fuhr sein bestes Saisonergebnis ein. Tejeda wurde Fünfter vor Vater Christian und Sohn Bastian Boll, die beide von der Startkollision ausgebremst worden waren.

Bechtel kam trotz Reparaturstopp in Runde eins und insgesamt drei Stopps als Neunter ins Ziel und wurde am Ende als Achter gewertet. Papia war nach der ersten Runde noch Sechster gewesen und kam mit gut 1:16 Minuten Rückstand als Zehnter ins Ziel. Durch die Strafe gegen Stolp rückte er auf Rang neun vor. Stolp hatte die Zielflagge als Achter gesehen, 53,809 Sekunden hinter dem Sieger. Mit den 30 Strafsekunden fiel er auf Rang zehn zurück, das kostete ihn zwei WM-Punkte.

Böhme fiel nach seinem starken Qualifying durch die Startkollision bis ans Ende des Feldes zurück. Mit drei Stopps kämpfte er sich noch auf Rang elf vor, eine Runde hinter dem Sieger. Dreier wurde Zwölfter. Langner machte vom letzten Startplatz zwei Positionen gut und kam als 13. ins Ziel. Schubert hatte nach Runde eins noch auf Platz acht gelegen, beendete das Rennen nach drei Stopps aber mit zwei Runden Rückstand als 14.

Einziger Ausfall war Ragland. Nach dem Startschaden und insgesamt vier Stopps, unter anderem auf die harte Mischung, schlug der Cadillac-Pilot in Runde 37 im zweiten Sektor ein und musste mit Aufhängungsschaden aufgeben.

Zunker baut seine Führung auf 234 Punkte aus. Stolp folgt nach seinem strafbedingten zehnten Platz mit 199 Zählern, der Abstand beträgt damit 35 Punkte und ist größer als ein Sieg. Zunker könnte also einen Nuller verkraften, selbst wenn Stolp gewinnt. Kai Engelsiepen bleibt nach seiner gesundheitsbedingten Pause mit 172 Punkten Dritter. Zunker betonte nach dem Rennen, die WM sähe mit Engelsiepen im Feld ganz anders aus.

Dahinter liegt Bastian Boll mit 145 Punkten nur noch vier Zähler vor Hristov (141). Asanger springt mit 115 Punkten auf Rang sechs. Tejeda (97) zieht an Philipp Kruse (95) vorbei, der das Rennen aussetzte. In der Teamwertung übernimmt Audi die Führung von Ferrari.

Vier Rennen stehen noch aus, 100 Punkte sind noch zu vergeben. Weiter geht es in Portimão, danach folgen Brasilien, Hockenheim und das Finale in Abu Dhabi.

Rennergebnis, WM-Stand und Live-Stream

Der WM-Stand ist hier zu finden

Falls ihr das Rennen verpasst habt könnt ihr den Stream hier nochmal angucken: