Rennbericht Melbourne: Tyrrell  zum Ersten

Baku Spa, Monza, eingeschränkt auch Istanbul, ganz gewiss der Nürburgring. Seit dem Sieg von Lars Zunker in Spielberg 2020 ließ das Tyrrell-Team diverse Gelegenheiten aus, weitere Triumphe folgen zu lassen. Nach 21 Rennen hat der lange Leidensweg für die friesische Traditionsmannschaft auf der anderen Seite der Welt sein Ziel gefunden.

Dabei schien der erste Sieg im Gespann mit Honda zumindest im Albert-Park eher eine Angelegenheit für den jüngeren Zunker-Bruder zu werden. Der 33-Jährige knallte in der Vorbereitung reihenweise Spitzenzeiten in den Asphalt des schnellen Stadtkurs. Als Favorit mauserte sich jedoch allem voran Vorjahressieger Mario Söllner, der die Zeiten des Tyrrells scheinbar mühelos mitgehen konnte. Am Ende der 44-maligen Parkrundfahrt jubelte aber Tobias Zunker zum zweiten Mal über seinen ersten Sieg, weil er in letzter Sekunde eine nahezu perfekte Qualifikationsrunde in das 5,303 Kilometer lange Asphaltband malte und weil das Überholen mit der 2022er Fahrzeuggeneration nochmal schwieriger zu sein scheint, als mit den Vorjahresmodellen. So brauchte Kai Engelsiepen bis in die 18. Runde, um an Ralf Bohnert vorbei auf die zweite Position zu schlüpfen, als der spätere Rennsieger schon um 7 Sekunden entkommen war. Die ambitioniertesten Starter beim diesjährigen Australien Grand Prix, Mario Söllner und Lars Zunker unterliefen wie schon in Bahrain schmerzhafte Fehler. Während Lars Zunker mit Platz 6 zumindest noch dafür sorgte, dass Tyrrell erstmals in diesem Jahr Punkte auf Ferrari gut machte, endete Söllners Grand Prix nach 37 Runden vorzeitig in der Zielkurve des Albert- Parks. So durfte Bastian Kupke nach der dürftigen Vorstellung in Bahrain eine kleine Wiederauferstehung feiern, als er Christian Boll im Ferrari auf einen ebenfalls starken fünften Platz verwies.

Im Grunde genommen hatte es sich seit geraumer Zeit angebahnt. Seit dem Einstieg in die formel1-liga.de hat kein anderes Team solche Fortschritte erzielt wie die friesische Traditionsmannschaft unter der Marke Tyrrell. 26 Rennen ist es her, seit in Spa 2020 ein damals noch blau-rot lackierter Renner aus der Garage rollte und beim Debüt mit Platz 9 auf sich aufmerksam machte. Ein Rennen später in Monza gingen die Zunker Brüder erstmals gemeinsam an den Start und bildeten seitdem ein ungesprengtes Fahrerduo, das als einziges seitdem ununterbrochen mit beiden Autos am Start steht. Spa und Monza, ausgerechnet zwei Strecken, die sich noch als Schicksalsbehaftet für die Zunker-Brüder herausstellen sollten. Auch wenn man mit der Prämisse in die zweite Saisonhälfte 2020 ging, möglichst viel zu lernen und Erfahrungen zu sammeln, gelang es schon zum Einstieg gute Resultate zu erzielen. Lars Zunker erzielte am Nürburgring seine erste Podestplatzierung im Tyrrell, zwei Wochen später in Spielberg gelang ihm sogar der erste Sieg im gerade einmal sechsten Rennen der Teamgeschichte. Entsprechend veränderte sich natürlich auch die Erwartungshaltung im Hause Tyrrell. Und das nicht ganz zu Unrecht: In allen 16 Rennen der Saison 2021 brachte Tyrrell beide Autos in die Top Ten der Qualifikation. Ein Kunststück, das keinem anderen Team gelang. Und nicht nur das: Zweimal eroberte Lars Zunker die Pole Position und ging dabei jeweils mit Bruder Tobias gemeinsam aus Startreihe eins ins Rennen. Insbesondere auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Baku, und eben Spa und Monza war der Tyrrell das Fahrzeug, das es zu schlagen galt.

Doch irgendetwas verhinderte immer den großen Clou. Auf dem Stadtkurs von Baku pokerte Lars Zunker in Führung liegend auf den falschen Reifen, sodass Weltmeister Tobias Stolp ihn kurz vor Schluss ihn noch niederrang. In Spa führte Lars Zunker souverän, bis er 10 Kilometer vor der Flagge ohne Vortrieb ausrollte. Und zwei Wochen später in Monza schlug die große Stunde von Tobias Zunker als er 1,8 Sekunden vor Tobias Stolp die Ziellinie als Erster kreuzte. Doch eine bis heute nicht zu 100% verarbeitete Kontroverse schob den Seriensieger der vergangenen Jahre doch noch vor den Tyrrell-Piloten. So blieben die Zunker-Brüder im Jahr 2021 zwar sieglos, die Ausgeglichenheit ihrer Ergebnisse ließen sie dennoch bis zum letzten Rennen von der Teammeisterschaft träumen. Galt man dort zwar zwischenzeitlich als favorisiert, reiste Tyrrell dennoch nur mit Außenseiterchancen an. Zumindest aber durften sich die Zunker Brüder auch in Istanbul Siegchancen ausrechnen, um die Saison so versöhnlich zu beenden. Doch nach 500 Metern waren nach der teaminternen Katastrophe alle Träume ausgeträumt und Tyrrell statt Meister der Teams, nur Meister im Auslassen von Chancen.

Auch deshalb ging Kai Engelsiepen als großer Favorit in die Saison 2022 und gewann fast folgerichtig auch die ersten beiden Läufe der Jubiläumssaison. Doch Tyrrell wirkte gefestigter als im Vorjahr und hat vor allem auf Strecken zugelegt, die im Vorjahr noch nicht ins Anforderungsprofil des schwarz-weiß lackierten Traditionsrennens passten. Und zu 100%. Kugelsicher sind die Zunker-Brüder nicht in die Saison gestartet. Am Nürburgring kostete eine unnötige Durchfahrtstrafe ein sicheres Doppelpodium. In Bahrain drehte sich Lars Zunker kurz vor Schluss im Kampf um Platz zwei von der Strecke. Dennoch hinterließ Tyrrell den Eindruck, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte, bis die Würfel mal auf einen der Brüder fallen würden.

Darauf, dass die Würfel im 27. Anlauf auf den Tyrrell-Piloten mit der Startnummer 27 fallen würden, deutete in der Vorbereitung auf den dritten Saisonlauf jedoch nicht allzu viel hin. Als heißerer Anwärter auf den ersten Tyrrell-Sieg seit Spielberg 2020 brachte sich im Albert Park zunächst Lars Zunker in Stellung. Seine Zeiten im niedrigen 1:20er bis sogar in den hohen 1:19er Bereich konnte am ehesten noch Vorjahressieger Mario Söllner mitgehen, der sich in seinem Williams als Geheimfavorit auf den Sieg präsentierte. So sehr sich Tobias Zunker auch streckte, auf mehr als drei Zehntel rückte er mit seiner Bestzeit im Long Run nicht an Söllner und seinen Bruder heran. Für Kai Engelsiepen lief es nur leidlich besser. Er rückte den beiden Spitzenreitern zwar näher, als der spätere Rennsieger, hinterließ dabei aber trotzdem den Eindruck, den Rennabend als dritte Kraft zu beginnen. Ralf Bohnert, nach zwei Podestplatzierungen aus den ersten beiden Saisonläufen Zweiter in der Fahrermeisterschaft, stieg wie schon fast gewohnt erst spät in die Zeitenjagd ein und schien sich dabei kaum von den Mclaren-Piloten Thomas Walter und Peter Hristov lösen zu können, die ihrerseits starke Rundenzeiten in den Stadtpark der australischen Millionenmetropole brannten und den Anschluss zur Spitzengruppe durchaus herzustellen vermochten. Und dann war da noch Bastian Kupke, der das Tempo der beiden enteilten an der Spitze am nächsten kam und nach der Enttäuschung von Bahrain Wiedergutmachung betreiben wollte.

Vierte Kraft: McLaren
Vierte Kraft: McLaren

Erst die Testrennen rückten die Verhältnisse ins rechte Licht. Und dabei zeigten sich direkt zwei Dinge. Zum einen: Diese eine schnelle Runde mit vollem Tank ist auch auf der harten Reifemischung über die Distanz recht wertlos. Zwar untermauerten Lars Zunker und Mario Söllner in beiden offiziellen Ausgaben am Montag und am Mittwoch ihre Favoritenrolle, absetzen konnten sie sich über 15 Runden aber nicht von Kai Engelsiepen und Tobias Zunker. Jedenfalls solange wie die beiden fuhren, denn insbesondere auf der Hinterachse stellte sich der harte Reifen auf Dauer als äußerst zickig heraus, so dass die beiden Verfolger mit Unfällen kurz vor Ende der Rennen sich noch als wertvoll herausstellende Erkenntnisse sammelten. Zumindest gegenüber den Mclaren rückte übrigens auch Ralf Bohnert das Kräfteverhältnis wieder gerade. Dennoch fiel der hohe Reifenverschleiß beim Alpha Tauri auf, der einen Angriff auf die Spitzengruppe zumindest erstmal verhinderte. Aber man ist es von Alpha Tauri mittlerweile gewohnt, dass man in Faenza erst in allerletzter Sekunde aufwacht und erst am Renntag performt. Und wer weiß? Mit einer guten Qualifikation? Denn, und das war die zweite Erkenntnis der Testrennen, Überholen ist mit der veränderten Aerodynamik der 2022er Fahrzeuggeneration sogar im Albert Park noch schwieriger als in den Jahren zuvor, selbst dann, wenn der Hintermann deutlich schneller ist als der Vorausfahrende. Umso größer ist die Bedeutung, die dem Abschlusstraining zukommt.

Unter den Favoriten setzte sich im ersten Abschnitt der zweigeteilten Qualifikation Mario Söllner gegenüber Lars Zunker durch. Bei 1:17,146 blieb die Stoppuhr des Williams-Piloten stehen und damit 0,140 Sekunden früher als beim Tyrrell. Engelsiepen rückte dem jüngeren Zunker-Bruder bis auf sechs Hundertstel auf die Pelle und teilte sich die provisorische 2. Reihe mit Tobias Zunker, der weitere vier Hundertstel langsamer war als der Ferrari vor ihm. Ralf Bohnert belegte mit vier Zehnteln Rückstand zum Spitzenreiter die fünfte Position. Überraschend stark präsentierte sich Christian Wickom, der auf der sechsten Position nicht nur seinen Teamkollegen Bastian Kupke (9.) hinter sich ließ, sondern auch die Mclaren und Ferrari Pilot Christian Boll. Peter Hristov, purzelte dabei sogar aus den Top Ten, weil auch Daniel Böhme in seinem Red Bull ein starker letzter Versuch gelang, der ihn auf die achte Position vorrückte.

Beinahe hätte auch Jürgen Bechtel das Ticket für die Top Ten gelöst. Sein erster Versuch brachte den Teamkollegen des WM Zweiten auf die achte Position nach vorne. Auf dem Weg, seine Zeit noch einmal zu verbessern, verunglückte der Routinier allerdings im schnellen Knick ausgangs des zweiten Sektors und verlor damit die Möglichkeit, weitere Zeiten zu setzen. Bis drei Minuten vor Ende von Q1 blieb Bechtel aber in den Top
Ten ehe eben jener Böhme und Hristov ihn noch auf die 12. Position verdrängten. Stefano Papia gelang dies genauso wenig wie Rolando Tejeda im Aston-Martin, für den der 14. Startplatz nur der Auftakt zu einem desaströsen Rennabend werden sollte. In letzter Sekunde schnappte der Italiener in Alfa Romeo Diensten, dem Sieger des letztjährigen Saisonfinales, noch die vermeintliche Unglücksposition weg. Auf die siebte Reihe fehlten dem Debütanten in Haas-Diensten Bastian Boll bereits eine halbe Sekunde. Immerhin aber konnte er sich gegen seinen Miteinsteiger in die Liga Jean-Luca Papia durchsetzen, mit dem er sich die Sohnemann-Reihe 8 teilte. Wie schon in Bahrain nahm Jörn Dreier auch in Melbourne im zweiten Red Bull von Ludwig Conrads Platz. Der Münchner fällt mit einer Schulterverletzung vermutlich bis zur Sommerpause aus und wird bis dahin vom letztjährigen Alfa Romeo Piloten vertreten, der es dieses Jahr eigentlich etwas ruhiger angehen lassen wollte. Für den Red Bull Testfahrer reichte es beim zweiten Saisoneinsatz für die 17. Startposition vor Marx Schoner, der seine Nürburgring-Strafe absitzen musste und das 18- köpfige Starterfeld abschloss.

Fuhren die beiden Pole-Favoriten in Q1 die erste Startreihe noch unter sich aus, entwickelte sich Q2 zu einer spannenden Nervenschlacht. Und das nicht nur, um die Spitzenposition. Auch um Startplatz sechs herum verbesserten sich die Piloten Runde um Runde und sorgten so für vielfache Positionsverschiebungen. Mit vier zehnteln Abstand zur Spitzengruppe hatte dabei zunächst Bastian Kupke die Oberhand und distanzierte im ersten Schlagabtausch Christian Boll um ein rundes Zehntel. Christian Wickom und Daniel Böhme konnten ihre Zeiten aus Q1 zunächst nicht bestätigen und fanden sich auf den Positionen neun und zehn wieder. Dazwischen nahm Thomas Walter als Erster die Verfolgung von Kupke auf, scheiterte aber um zwei Hundertstel am Mercedes-Piloten und verdrängte zunächst nur Christian Boll auf Position acht. Die letzte Zeitenjagd eröffnete Christian Wickom und machte es dabei besser als in seinen ersten Anläufen. In 1:17,740 stellte er seinen Mercedes zunächst in die dritte Startreihe. Allerdings mit weniger als einem halben Zehntel Vorsprung auf den nun wieder Achtplatzierten Walter. Und nachdem der zweite Versuch des Ferrari Piloten schief gegangen war, schob sich Christian Boll weniger als eine Minute vor Ablauf der Uhr noch zwischen die beiden Mercedes-Piloten auf die siebte Position. Den letzten Schuss aber hatte sich Bastian Kupke reserviert, der in allerletzter Sekunde seinen Teamkollegen wieder auf die siebte Position verwies. Daniel Böhme konnte sich indes nicht verbessern und überließ dem wehrlos in der Box wartenden McLaren von Thomas Walter die neunte Startposition, direkt hinter Christian Boll, während Christian Wickom auch mit dem siebten Startplatz sehr zufrieden gewesen sein dürfte.

Das, was die Fünfergruppe rund um die sechste Startposition vorlegte, schaffte die andere Fünfergruppe rund um die Pole-Position indes auch. Gleich nachdem die Ampel für die 12- minütige Abschlusssession auf Grün schaltete, nahm Lars Zunker als Erster den 5,303 Kilometer langen Albert Park unter die Räder. Doch schon in Turn 3 stellte er seinen Tyrrell quer und brach die Runde ab. Bei Kai Engelsiepen im Ferrari lief es dagegen deutlich besser. In 1:17,113 übernahm der WM-Leader zunächst die Spitzenposition, Mario Söllner verfehlte seine eigene Q1 Zeit und platzierte sich mit einer Zehntel Rückstand zunächst auf Platz zwei. Tobias Zunker und Ralf Bohnert fehlten ein weiteres gutes Zehntel, wobei sich der Tyrrell um acht Tausendstel gegenüber dem Alpha Tauri durchsetzte. Lars Zunker war nach seinem abgebrochenen ersten Versuch fortan antizyklisch unterwegs und war deshalb der erste, der seinen zweiten Versuch unter die Räder nahm. Er eröffnete seine Runde mit absoluter Bestzeit in Sektor eins, verlor dann aber im zweiten Sektor die entscheidenden Hundertstel auf Engelsiepen, so dass er sich vor Söllner auf der zweiten Position einordnete. Der Williams-Pilot begann seinen zweiten Versuch ebenfalls mit persönlicher Bestzeit in Sektor eins und zwei, verlor dann aber im dritten Sektor mehr als zwei Zehntel auf seine erste Runde und verbesserte sich nicht – Im Gegensatz zu Bohnert und Tobias Zunker, die Söllner auf die fünfte Position verdrängten. Diesmal hatte der Alpha Tauri das bessere Ende für sich. Zunker hatte mit zwei absoluten Bestzeiten die zweite Runde begonnen, stolperte aber im letzten Sektor über den gestrandeten Ferrari von Christian Boll. Kai Engelsiepen brach seinen zweiten Versuch zwar ab. Doch schien sich der Rest der Meute an seiner Zeit die Zähne auszubeißen, so dass er die Spitzenposition verteidigen konnte.

 

Die Top 5 war aber vor dem letzten Versuch auf 0,106 Sekunden zusammengerückt. Wieder war es Lars Zunker, der den Anfang machte. Er begann mit absoluter Bestzeit im ersten und persönlichen im zweiten Sektor, mehr als auf 0,048 Sekunden robbte sich der Tyrrell aber nicht mehr an Engelsiepen heran. Mario Söllner verbesserte sich im ersten Sektor, konnte das aber nicht bis zum Schluss bestätigen und verfehlte seine bisherige Bestzeit um 0,025 Sekunden – Platz 5 für den Williams Piloten, der wenige Minuten zuvor noch als heißester Anwärter auf die Pole galt. Der Weg schien nun frei zu sein für die zweite Saisonpole von Kai Engelsiepen, aber dann packte Ralf Bohnert den mit Abstand schnellsten ersten Sektor der Session aus. Von diesem Vorsprung zehrte der Alpha Tauri nach einem schwachen zweiten Sektor, sodass die Uhr für ihn bei 1:17,051 anhielt und er den Ferrari auf die zweite Position verdrängte. Doch die Freude bei Alpha Tauri hielt nur für 45 Sekunden. Denn während alle Welt auf den letzten Versuch von Kai Engelsiepen schielte, fiel Tobias Zunker, bisher zwar im Dunstkreis der Spitzengruppe, aber in der Qualifikation eher unauffällig unterwegs, über Bohnerts schwächeren zweiten Sektor her und baute sich dort einen Vorsprung auf, den er über die Linie tragen sollte. In 1:16,961 blieb Zunker als einziger Pilot unter der Schallmauer von 1:17 und verwies Bohnert auf die zweite Position. Engelsiepen teilte sich die zweite Startreihe mit dem anderen Tyrrell, während Mario Söllner neben Bastian Kupke ins Rennen ging.

Weil das Überholen schwierig ist im Albert Park, ist die Qualifikation hier wichtiger als anderswo – aber trotzdem eben nur die halbe Miete. Die Mischung aus Stadtkurs und permanenter Rennstrecke fordert regelmäßig viele Ausfälle, so dass die gute Startposition erst einmal ins Ziel verteidigt werden muss. Tyrrell nutzte die Möglichkeit, mit zwei Autos in den ersten beiden Startreihen zu stehen um die Reifenstrategie zu splitten. Während Lars Zunker, genau wie Engelsiepen und Bohnert mit harten Reifen in die Startaufstellung rollten, wählte Tobias Zunker (genau wie Mario Söllner) den Medium-Reifen aus, um das Feld zum ersten Mal in seinem 27. Anlauf in die Einführungsrunde zu führen.

Dabei ging ihm ein Pilot schon vor Erlöschen der Ampel verloren. Nach dem enttäuschenden Qualifying war der Rennabend für Rolando Tejeda bereits beendet, bevor er begann. Der Aston Martin fehlte wegen Verbindungsproblem in der Startaufstellung, sodass sich letztlich nur 17 Piloten auf die. 44 Runden andauernde Stadtrundfahrt begeben konnten. Zunker behauptete dabei seine Führung vor Ralf Bohnert und Kai Engelsiepen, während Bruder Lars hinter Mario Söllner auf die fünfte Position zurückfiel. Dahinter blieb die Reihenfolge zunächst unverändert. Erst Daniel Böhme machte eine Position gegen Thomas Walter gut, als der beim Versuch Christian Boll zu attackieren, über die innere Wiese vor Kurve 3 holperte. Jürgen Bechtel verlor gleich zwei Positionen an Stefano Papia und Bastian Boll und ging Seite an Seite mit Jean Luca Papia auf Kurve 5 heraus. Der Alfa Romeo Rookie schätzte in der Positionierung für die sechste Kurve den Abstand zu Bechtel falsch ein, so dass sich die Räder der beiden Fahrzeuge berührten.

Im Ziehharmonika-Effekt pendelten die Fahrzeuge zwei-, dreimal aufeinander zu, ehe der Alpha Tauri unvermittelt nach rechts in die Bande abbog und sich neben dem Flügelwerk auch noch die beiden rechten Reifen abriss. Damit nicht genug, taumelte das Alpha Tauri Wrack drehend auf die Strecke zurück und traf dabei den verbliebenen Aston Martin von Max Schoner so ungünstig, dass er sich auf der Fahrbahn drehte. Das Zwang Jörn Dreier zum Anhalten, bis der Österreicher sein Fahrzeug wieder in Fahrtrichtung gedreht hatte. Während für Bechtel der Rennabend beendet war, setzten Dreier und Schoner das Rennen mit acht Sekunden Rückstand auf Jean Luca Papia wieder fort.

An der Spitze nutzte Tobias Zunker seinen Medium-Reifen zunächst dazu aus, den Abstand zu Ralf Bohnert so zu vergrößern, dass der Alpha Tauri, aus dem der DRS-Fenster des Tyrrell fiel. So zwang er das Liga-Urgestein dazu, sich auf die Verteidigung der zweiten Position zu konzentrieren. Engelsiepen konnte im Angriff auf Bohnert jedoch nicht zu sehr ins Risiko gehen, da hinter ihm Mario Söllner und Lars Zunker darauf lauerten, von zu intensiven Zweikämpfen zu profitieren. Zunächst hielten auch die Mercedes Piloten den Anschluss an die Vierergruppe um Platz zwei. bevor zuerst Christian Wickom aus dem DRS- Fenster des Teamkollegen und dann Bastian Kupke aus dem zu Lars Zunker fiel. Während sich Kupkes Abstand in der Folge sowohl nach vorne als auch nach hinten stetig vergrößerte, geriet Wickom in den Zweikampf mit dem Achtplatzierten Christian Boll. Die zweite Tabellenhälfte führte Daniel Böhme im Red Bull an, hatte dabei jedoch sowohl Stefano Papia nach einem starken Start bereits auf die 10. Position vorgerückt, als auch die beiden Mclaren im Gepäck, die nach einer schwierigen Anfangsphase die Top Ten ins Visier nahmen. In der achten Runde versuchte der Italiener im Alfa Romeo auf Start Ziel, sich an einem Angriff auf Daniel Böhme, während sich Thomas Walter geduldig mitziehen ließ. Weiter mit dem Vorteil des DRS gesegnet, bot sich für Papia vor Kurve drei eine zweite Gelegenheit. Doch verpasste er auf der Innenbahn den Bremspunkt und damit auch die Ideallinie. So war der Weg nicht nur für Walter frei, sondern der Rhythmus des Italieners gebrochen. Peter Hristov nutzte die Gelegenheit, sich ebenfalls gegen Papia durchzusetzen. Statt die neunte Position zu übernehmen, fiel der Alfa Romeo innerhalb einer Runde auf die 12 zurück, profitierte aber noch in derselben Runde davon, dass Walter seinem Reifen offensichtlich zu viel zugemutet hatte und sich drehte. Für den Mclaren Piloten war der erste Stint damit gezwungenermaßen frühzeitig beendet. Er musste seinen Medium nach acht Runden gegen den harten Reifen tauschen und nahm die verbliebenen 36 Runden auf der letzten Position wieder auf.

Ein ähnliches Schicksal wie es die beiden Italiener ereilte, wollte Engelsiepen an der Spitze gern vermeiden. Anstatt also allzu engagiert Bohnerts zweite Position zu attackieren, stellte sich der Ferrari zunächst geduldig hinten an, um Fehler und Positionsverluste zu vermeiden. Und die Fehler machten letztlich andere: Mario Söllner überhörte dabei sogar einen Warnschuss, den er in der neunten Runde erhielt. Auf der Zufahrt zu Start-Ziel überholte den Williams-Piloten leicht das Heck seines Boliden was Lars Zunker dazu einlud, seine vierte Startposition zurückzuerobern. Zwei Runden und etwa 500 Meter weiter schlug das Schicksal dann erneut zu. Diesmal ließ der Williams zwar noch die Start-/Zielgerade hinter sich, aber in der ersten Kurve meldete sich erneut das Heck. Und anders als beim ersten Mal schaffte es der Franke nicht, seinen Wagen wieder einzufangen. Stattdessen schlug er in die Streckenbegrenzung ein und verlor seinen Frontflügel. Nach dem fälligen Reparaturstopp nahm Söllner seine Fahrt 65 Sekunden hinter dem Führenden und 26 Sekunden hinter Max Schoner wieder auf. Aus der Vierergruppe um Platz 2 wurde damit ein Trio. Und das büßte nur zwei Runden später ein weiteres Mitglied ein. Denn Lars Zunker stellte mit aller Kraft den Anschluss zu Engelsiepen und Bohnert her, ehe er ausgangs von Turn 11 etwas zu tief ins Gras eintauchte und seinen Tyrrell verlor. Mitten auf der schnellen Geraden kam der schwarz-weiße Traditionsrenner zum Stillstand und musste erst Kupke und Boll passieren lassen, bevor er sein Fahrzeug wieder in Fahrtrichtung stellen konnte. Dabei riss er sich zu allem Überfluss auch noch den Frontflügel ab, sodass auch beim Friesen ein Reparaturstopp notwendig wurde. Ihm erging es zwar etwas besser als zuvor Mario Söllner, trotzdem fiel Lars Zunker zunächst auf die 12. Position zurück. Engelsiepen sah sich damit dem größten Druck von hinten entledigt. Die Lücke zu Bastian Kupke war bis auf sechs Sekunden angewachsen und Fünfter war in der Zwischenzeit ausgerechnet Teamkollege Christian Boll. Denn kurz bevor sich Söllner und Lars Zunker aus der Verfolgergruppe verabschiedeten, war der Rennabend von Christian Wickom beendet. Ihn erwischte es auf der Zufahrt zu Turn 10, als sein Mercedes den Linksknick ausließ und mit hohem Tempo in die Mauer einschlug. Zum zweiten Mal im dritten Rennen war Wickom gezwungen, seinen Dienstwagen vorzeitig abzustellen.

Engelsiepen nutzte die freie Lücke, um den Druck auf Ralf Bohnert zu erhöhen. Im 17. Umlauf war es schließlich so weit und der Sieger der beiden ersten Saisonrennen machte sich an die Verfolgung des auf sechs Sekunden enteilten Spitzenreiters. Doch der Tyrrell- Pilot machte deutlich, dass in diesem Stint kein Kraut mehr gewachsen sein würde gegen seinen Medium-Reifen. Zunker reagierte auf den Platztausch zwischen Bohnert und Engelsiepen mit zwei persönlichen Bestzeiten, sodass er den Abstand bis in die 20. Runde sogar auf 7,5 Sekunden vergrößerte. Engelsiepen zog daraufhin die Reißleine und wechselte als Erster die Reifen. Zu der Zeit hatte Tobias Zunker seinen Vorsprung bereits so weit ausgebaut, dass er bequem vor Engelsiepens Teamkollegen Christian Boll wieder auf die Strecke zurückkehren würde. Zwei Runden nach Engelsiepen steuerte der Führende also die Box an und holte sich für den Schluss Stint den Soft-Reifen. Vier Sekunden seines Vorsprungs waren übriggeblieben. Zwar konnte Engelsiepen den Vorsprung bis in die 40. Runde hinein noch einmal bis auf 1,5 Sekunden verkürzen. In Gefahr geriet der überraschende Polesetter aber nicht mehr. Bei seinem 27. Rennstart in der formel1-liga.de kreuzte Tobias Zunker zum zweiten Mal nach Monza im Vorjahr die Ziellinie als Erster. Doch dieses Mal durfte er sich auch über den Montag nach dem Rennen hinaus über den Sieg freuen. Kai Engelsiepen als Zweiter distanzierte den Drittplatzierten Ralf Bohnert sogar noch um mehr als 15 Sekunden. Der Alpha Tauri Pilot kreuzte die Ziellinie als Dritter, sieben Sekunden vor dem Viertplatzierten. Und das war nach dem Pech von Söllner und Lars Zunker, Bastian Kupke, der in seinem. dritten Rennen für Mercedes sein bestes Ergebnis in der formel1-liga.de feiern konnte. Ihm gelang es nach dem Ausfall von Christian Wickom, den Abstand zu Christian Boll bis ins Ziel konstant bei etwas über zwei Sekunden zu belassen.

Walter und Söllner
Walter und Söllner

Waren die Positionen vorne schnell bezogen, mussten also andere für Action Sorgen. Nach ihren Zwischenfällen waren vor allem Lars Zunker und Mario Söllner gefordert, verlorenen Boden wieder gut zu machen. Die Reise von Mario Söllner fand dabei im Diffusor des McLaren von Thomas Walter ihr Ende. Mit gerade einmmal drei Runden älteren Reifen gelang es dem Italiener den Vorjahressieger fast 20 Runden lang hinter sich zu halten, ehe der zuerst die Geduld und dann schließlich einen Reifen verlor.

starker Auftritt Bastian Boll
starker Auftritt Bastian Boll

Durch den Ausfall von Bastian Boll und dem Boxenstopp von Jörn Dreier wieder auf die Positionen neun und zehn nach vorne gespült, flog Söllner in der 37. Runde eingangs der Start-Ziel-Gerade ab. So stand der Williams-Pilot, favorisiert ins Rennen gegangen, schließlich mit leeren Händen dar, während Thomas Walter noch am starken Daniel Böhme vorbei ging und Achter wurde.

Lars Zunker durfte zwischenzeitlich sogar noch von Platz vier träumen. Innerhalb von 15 Runden schloss er die fast 30-Sekündige Lücke zu Christian Boll und holte sogar dann auf den Ferrari auf, als der mit zehn Runden frischeren Reifen aus der Box zurückkehrte. Doch investierte er dabei zu viel seines Medium-Reifens und legte einen zusätzlichen Sicherheitsstopp ein. Der brachte ihn Beinahe in die Fänge von Daniel Böhme, der vor Turn 3 zum Überholen ansetzte. Doch die beiden Fahrzeuge kollidierten und Böhme drehte sich, während Lars Zunker auf Platz sieben die Jagd auf Peter Hristov eröffnete. Den McLaren-Piloten ließ er in der 39. Runde hinter sich, näher als bis auf fünf Sekunden kam er jedoch nicht mehr an Christian Boll heran, so dass er sich mit Platz sechs begnügen musste.

erstmals Punke - Jean-Luca Papia
Erstmals Punkte: Jean-Luca Papia

Stefano Papia schloss die Top 10 ab und erreichte damit ein erstes Erfolgserlebnis in Alfa-Romeo-Diensten, das sein Sohn Jean-Luca mit Platz 13 und den ersten Punkten seit Ligaeinstieg abrundete. Alfa Romeo entführte damit neun Punkte aus dem Albert-Park, so viele wie seit Österreich 2019 nicht mehr. Zwischen den beiden Italienern sammelten auch die Routiniers Jörn Dreier und Max Schoner zählbares. Mit seinem Elften Platz rundete Dreier das gute Resultat für Red-Bull-Racing ab, mit dem man sogar das hochgehandelte Williams-Team auf die siebte Position der Teammeisterschaft verwies. An der Spitze sind Ferrari und Tyrrell der Konkurrenz derweil bereits enteilt. Mit 100 Punkten führt Ferrari dabei drei Punkte vor Tyrrell, während Alpha Tauri mit 32 Punkten Rückstand auf Platz zwei an dritter Stelle vor McLaren liegt. Sechs Punkte dahinter rangiert nach dem vierten Platz von Bastian Kupke das Mercedes Team. Bei den Fahrern übernahm indes der Sieger die zweite Position und die Rolle des ersten Jägers von Kai Engelsiepen, der seinen Vorsprung in der Meisterschaft aber trotzdem auf komfortable 16 Punkte ausbauen konnte.

Rennergebnis, WM-Stand und Live-Stream

 

Der WM-Stand ist hier zu finden

Falls ihr das Rennen verpasst habt könnt ihr den Stream, kommentiert von Michael Merkers und Julian Kopp hier nochmals angucken: