Alle Neune – Engelsiepen gewinnt hauchdünn vor Zunker und Stolp – Kommentator Thomas Raschke mit Debüt
Drei Weltmeister am Start, drei Weltmeister auf dem Podium. Mit insgesamt neun Titeln war das Treppchen in Bahrain so hoch dekoriert wie nie zuvor in der fast 25-Jährigen Geschichte der formel1-liga.de. Im Zentrum: Kai Engelsiepen, der sich im Ferrari hauchdünn gegen Tobias Zunker durchsetzte, dessen Zwei-Stopp-Strategie wohl nur eine Runde zum Sieg fehlte.
Und auch Rekordchampion Tobias Stolp drängelte sich als Dritter mit gerade einmal 1,2 Sekunden Rückstand noch auf das Siegerfoto. Das einer der drei Protagonisten am Ende der Jubiläumssaison auch den zehnten Titel der Riege feiern wird, ist nach Bahrain aber keineswegs ausgemacht. Denn im Schatten der großen Namen drängte sich einmal mehr Bastian Boll in den Fokus. Mit einer beeindruckenden Aufholjagd kämpfte sich der Youngster in Mercedes-Diensten bis auf Rang fünf nach vorn, nachdem ihn Technikprobleme in die 8.Startreihe verbannten, in einer Qualifikation, die die Rehabilitation des Peter Hristov erlebte.
Nachdem der Bulgare in Diensten Ferraris nämlich zu Beginn der Saison gleich zweimal in Folge den Einzug ins Q2 verpasste, entriss er dem WM-Spitzenreiter und Vorjahreschampion Tobias Zunker die Pole-Position um die Winzigkeit von einer Tausendstel-Sekunde. Mit Platz drei rundete Kai Engelsiepen die perfekte Ausgangslage der Scuderia nach dem enttäuschenden Suzuka-Wochenende ab. Rekordweltmeister Tobias Stolp qualifizierte sich in seinem dritten Rennen nach dem Comeback neben Engelsiepen für die zweite Startreihe, gefolgt von Asanger im McLaren und Daniel Böhme für Williams. Jürgen Bechtel gelang mit Startplatz 7 beim Saisondebüt im zweiten McLaren eine ebenso achtbare Qualifikation, wie Stolps Teamkollegen Stefano Papia neben ihm. Gert Wickom im zweiten Williams sorgte dafür, dass gleich vier Teams mit beiden Autos in die Top 10 vordrangen, während Rolando Tejeda im zweiten Audi knapp am Einzug ins Q2 scheiterte. Den Platz nahm nämlich Thomas Raschke ein. Der für die Liga hauptsächlich als Kommentator tätige Bayer steuerte seinen RedBull beim Renndebüt in der formel1-liga.de in Q1 nämlich auf einen beeindruckenden sechsten Rang, wurde im Q2 aber bis auf den 10. Startplatz zurückgereicht. Für das Vater/Sohn-Gespann Boll im Mercedes war die Qualifikation da bereits gelaufen. Sie konnten aufgrund technischer Probleme die offiziell ersten 15 Minuten des Rennabends nicht aufnehmen und mussten sich mit den Startplätzen 14 und 15 begnügen, hinter den beiden Aston Martin von Stefan Schubert und Jörn Dreier. Gar aus der Boxengasse das Rennen aufnehmen mussten Kenneth Ragland im Cadillac und Racing-Bulls-Matador Philip Kruse, die es im Vorfeld nicht auf die erforderliche Anzahl an Mindestrunden gebracht hatten.
Als die Ampeln auf dem 5,412 Kilometer langen Sachkir International Circuit für den 3. Lauf der Jubiläumssaison in der formel1-liga.de schließlich erloschen, gelang es Peter Hristov souverän, seine Führung zu verteidigen. Tobias Zunker erwischte hingegen keinen guten Start und musste noch vor der ersten Kurve auch dem zweiten Ferrari um Kai Engelsiepen den Vortritt lassen. Auch Daniel Böhme tat sich auf den ersten Metern etwas schwer und verlor zwei Plätze an Bechtel und Papia. Über seinen Platzgewinn konnte sich der neue McLaren-Pilot aber nicht lange freuen, denn noch vor Kurve drei schnappte sich Papia auch Jürgen Bechtel und verbesserte sich auf Platz sechs. Und knüppeldick kam es für den Routinier dann auf der Zufahrt zu Turn 11, als er weit ging und auf die 12. Position zurückfiel. Christian Boll konnte davon unmittelbar profitieren und erhöhte seinen Positionsgewinn in Runde 1 auf drei, kurze Zeit später tat es auch der Sohn dem Vater gleich und verwies Bechtel auf Platz 13. Weiter vorne im Feld behaupteten Stolp und Asanger die Positionen vier und fünf, und auch Thomas Raschke war nach dem Malheur von Jürgen Bechtel wieder zehnter, weil er zuvor bereits einen Platz an Rolando Tejeda eingebüßt hatte. Eingangs der zweiten Runde griff der Audi-Pilot auch nach Gert Wickom, so dass schließlich auch der Williams-Pilot wieder dort angekommen war, wo er gestartet ist.
An der Spitze indes konnte nur Tobias Zunker das Tempo der beiden Ferrari-Piloten halten. Stolp und Asanger in den Verfolgerpositionen verloren ab Runde 5 den Anschluss an den DRS-Bereich, setzten sich aber ihrerseits Schritt für Schritt von Stefano Papia ab, der im ersten Renndrittel ein starkes, wenn auch einsames Rennen auf Platz sechs zeigte. Zu einer ernsthaften Attacke auf die Spitze konnte Zunker aber auch dann nicht ansetzen, als ihn die Ferrari-Piloten die Gelegenheit dazu boten. In der 7. Runde stellte der Führende seinen Boliden ausgangs der von Kurve drei leicht quer, so dass Teamkollege Engelsiepen erstmals die Spitzenposition übernahm. In Runde 10 erorberte der Bulgare die Führungh am Ende der Start-Ziel-Gerade wieder zurück. Drei Umläufe später zog Zunker die Reißleine und bog zum ersten Reifenwechsel ab. Wie mächtig der Undercut war, zeigte sich nur einen Umlauf später. Ferrari sah sich gezwungen, auf den frühen Boxenstopp des Weltmeisters zu reagieren und holte Hristov ebenfalls zum Stopp… und kam fünf Sekunden hinter dem Audi wieder zurück auf die Strecke. Selbst unter Abzug der um drei Sekunden längeren Standzeit eine eindrucksvolle Demonstration der Stärke frischerer Reifen. Doch in der Folge reagierte Ferrari klug. Anstatt auch mit dem zweiten Fahrzeug frühzeitig die Box anzusteuern, splitteten die Strategen der Scuderia die Herangehensweise der Fahrzeuge. Engelsiepen blieb draußen und versuchte sich fortan an einem Einstopp-Rennen. Der Taktik-Poker war eröffnet, denn auch Stolp reagierte nicht auf den Undercut-Versuch seines Tandems Johann Asanger in Runde 14, sondern blieb stoisch auf der Bahn.
Und die Bolls so? Die machten in der Anfangsphase des Rennens vor allem Positionen gut, auch weil das Feld zwischen Papia und Böhme schnell in zwei Teile zerfiel. Eine erste Schrecksekunde überstanden die Mercedes-Piloten schon in Runde drei, als Thomas Raschke im Zweikampf mit dem Vater Lehrgeld bezahlte und sich Ausgangs Kurve zwei in den Seitenkasten des Mercedes bohrte. Dem taumelnden RedBull-Piloten konnte der Sohn mit einer schnellen Reaktion und einer präzisen Verzögerung gerade noch ausweichen, eine Situation die Boll an Suzuka erinnert haben dürfte, als vor ihm der Alpine von Tobias Stolp auf Abwägen war. Wie auch in Japan gelang es ihm trotz Pace-Verlust auch hier weder die Position zu verteidigen, diesmal gegen Jürgen Bechtel, der nach seinem Missgeschick in Runde eins langsam wieder Tuchfühlung zur Top 10 aufnahm. Bis Zunker die Reigen der Boxenstopps eröffnete, arbeiteten sich die Bolls bis auf die Plätze sieben und acht nach vorne, während es dem schnellen Youngster sogar gelang, die Lücke zum Alpine von Papia zu schließen.
Für Williams ging die Reise derweil Rückwärts. Konnte Daniel Böhme noch bis zur zehnten Runde seinen siebten Platz verteidigen, verlor er durch die heranstürmenden Mercedes nach und nach seinen Rhythmus und schließlich auch die Positionen gegen Jürgen Bechtel. Für Teamkollege Wickom kam es nochmal dicker. Er kämpfte sichtlich mit der Traktion seines Boliden und stürzte schon in der Frühphase des Rennens aus den Top 10. Er hatte sichtlich Probleme sich gegen die Aston Martins von Schubert und Dreier zu verteidigen. Stefan Schubert setzte in Kurve drei außen zum überholen an, und übernahm dadurch sogar kurzfristig Rang 12. Auch wenn der Williams schon zum Ende der Runde kontern konnte, besiegelte zunächst ein Unfall mit Jörn Dreier und schließlich ein Dreher ausgangs der letzten Kurve sein Schicksal. In zwei folgenden Soft-Stints lief es für ihn zwar leidlich besser, mehr als Platz 13 war für ihn am Ende aber nicht mehr drin.
Zunkers erster Boxenstop setzte dagegen im Feld eine Dynamik frei, die das Rennen noch einmal von neuem beginnen ließ. Bis Runde 17 waren nur Stefano Papia und Thomas Raschke dem Beispiel der beiden Mehrfach-Weltmeister an der Spitze gefolgt und hatten die Reifen nicht gewechselt. Während Raschke sich dadurch kurzzeitig auf der achten Position wiederfand, schnupperte Papia sogar kurzzeitig an der Podiumsluft, ehe ihn zunächst Bastian Boll überholte, und Tobias Zunker mit den frischen weichen Reifen regelrecht überrannte. Insgesamt traf Zunker ein sehr gutes Fenster für einen Boxenstopp. Sowohl auf Papia, als auch zwei Runden zuvor auf Christian Boll traf der Audi-Pilot just in dem Moment als es ihm mehr nützte als schadete. So holte er, inzwischen auf Platz drei angekommen, fast zwei Sekunden pro Runde auf die Führenden Engelsiepen und Stolp auf.
Ein weiterer Eindruck, wie mächtig der Undercut war, lieferte einmal mehr Bastian Boll. Gegenüber dem Italiener betrug sein Vorsprung zum Zeitpunkt seines Boxenstopps gerade einmal fünf Sekunden, 19 Sekunden dahinter reihte er sich nach dem Reifenwechsel wieder ein und schloss die Lücke bis zum Alpine-Stopp vier Runden später beinahe vollständig. Weiteres Beispiel: Bis Tobias Stolp in Runde 23 seinen einzigen Stopp einlegte, hatte Boll den Rückstand auf den Rekordweltmeister innerhalb von fünf Runden von vorher elf Sekunden in einen Vorsprung von 1,5 Sekunden verwandelt. Tobias Zunker führte derweil mit rund sechs Sekunden Vorsprung auf Peter Hristov. Auf drei folgte mit Kai Engelsiepen dann schon der erste Einstopper, knapp 15 Sekunden hinter dem Spitzenreiter. Zwischen Engelsiepen und Bastian Boll hatte sich noch Johann Asanger verschanzt, der dem anstürmenden Ferrari nach dessen Stopp keine Gegenwehr leistete.
Die möglicherweise Rennentscheidende Szene ereignete sich weitab von der Spitzengruppe in Runde 22. Philip Kruse hatte bei seiner Aufholjagd nach dem Start aus der Box die Lücke zu den Aston Martin auch Boxenstoppbedingt geschlossen und fand sich selbst auf Platz 14 wieder. Beim Anbremse von Kurve zehn stellte sich der Racing-Bulls aber quer zur Fahrbahn und in die Fahrlinie des hinter ihm liegenden Jörn Dreier, der sich außen herum aus der Blockade lösen wollte. Innen kam jedoch noch Dreiers Teamkollege Stefan Schubert und traf den etwas unvorsichtig wiederanfahrenden Kruse mit soviel Wucht an der Vorderasche, dass der Racing-Bull in die Seite des anderen Aston Martin gedrückt wurde und den unglücklichen Dreier in einen Dreher schickte Dreier ging damit unschuldig leer aus, während Schubert sich am Ende den letzten Punkt hinter Kruse auf Platz 14 sicherte. Durch den Vorfall verlor das Trio soviel Zeit, dass der Führende Audi-Pilot noch vor seinem zweiten Stopp auflief. Mehr noch: Kruse und Schubert stolperten quasi in das Boxenstoppfenster von Gert Wickom und Thomas Raschke, so dass aus dem verbliebenden Duo ein Vierkampf mit ungleichen Waffen wurde. Zwar reagierten die Überrundeten gut als Zunker drei Runden später auf die Gruppe auflief, dennoch schmolz der Vorsprung des Spitzenreiter in dieser Phase gegen beide Ferrari innerhalb von nur einer Runde um fast zwei Sekunden. Nachdem sich Zunker für den zweiten Boxenbesuch bei seiner Crew vorstellte, verlor Hristov diese Zeit zwar auch wieder, ehe er zum zweiten Halt hereinkam, Engelsiepen allerdings musste nur einmal durch die Gruppe. 13 Sekunden hinter Engelsiepen kehrte Zunker wieder auf die Strecke zurück und musste dazu noch eine Lücke von rund acht Sekunden auf Tobias Stolp zufahren, um noch ein Wörtchen um den Sieg mitreden zu können. Auch Bastian Boll lag zu diesem Zeitpunkt noch vor dem Japan-Sieger, bog drei Umläufe nach Zunker aber ebenfalls zu seinem zweiten Halt ab.
Asanger wechselte in der gleichen Runde wie Zunker auf Platz vier liegend ein zweites mal die Reifen. Er konnte, anders als im ersten Renndrittel die Zeiten von Zunker und Hristov auf der selben Strategie nicht ganz mitgehen. Fünf Sekunden hinter Christian Boll, aber zwei vor seinem Teamkollegen Jürgen Bechtel kam der Österreicher zurück auf die Strecke, während Daniel Böhme für den kuriosesten Moment des Rennabends sorgte: Er überbremste auf dem Weg in die Box sein Fahrzeug und schlug so hart in die Boxenmauer ein, dass die Williams-Crew noch hektisch einen neuen Frontflügel bereitlegen musste.
Bastian Boll fiel nach seinem Boxenstopp zwar kurzzeitig hinter Asanger zurück auf, griff sich aber schon anderthalb Runden später den fünften Platz. Zwar machte er bis zum Rennende noch 13 Sekunden auf den Sieger gut, mehr als Platz fünf vor dem starken Österreicher und seinen ebeso effektiven Teamkollegen Christian Boll war jedoch nicht drin. Auch Hristov vor ihm zementierte seinen vierten Platz auch wenn er die Pace von Zunker vor ihm nicht mitgehen konnte.
Nachdem durch das Überholmanöver von Christian Boll gegen den starken Achten Stefano Papia die Positionen ab Platz vier bezogen waren – Jürgen Bechtel und Rolando Tejeda komplettierten die Top 10, gefolgt von Böhme und Debütant Raschke, spitzte sich die Situation in den Top 3 noch einmal kräftig zu. Mit seinen frischen Reifen schloss Zunker die Lücke zu Stolp innerhalb von sieben Runden, brauchte dann aber fast drei Umläufe um den Reifenvorteil auch in den Positionsgewinn umzumünzen. Fünf Runden vor dem Ende sah Engelsiepen mit knapp fünf Sekunden Vorsprung schon wie der sichere Sieger aus, als plötzlich der Drop-Off einsetzte. Bis zur Ziellinie verkürzte der Audi-Pilot mit einem Alpine im Rucksack den Abstand bis zum Zielstrich auf drei Zehntel Sekunden. Ein Angriff auf den Ferrari blieb ihm aber um genau eine Gerade verwehrt. Nach dem Ausfall von Suzuka durfte Engelsiepen also seinen zweiten Saisonsieg bejubeln, während Zunker seine WM-Führung vor eben jenen Ferrari-Piloten auf vier Punkte ausbaute. Tobias Stolp bleibt mit nun sieben Zählern Rückstand Dritter in der Meisterschaft und ließ Bastian Boll hinter sich, der Schadensbegrenzung betrieb und sich als Fünfter gerade einmal neun Punkte Rückstand auf den bisher mit ihm punktgleichen Spitzenreiter einhandelte. Seine Rennen werden kommen, soviel scheint sicher, vielleicht schon, wenn die Rennserie am 24.04.2026 in die Wiege der Formel 1 in Silverstone einkehrt.
Rennergebnis, WM-Stand und Live-Stream

Der WM-Stand ist hier zu finden
Falls ihr das Rennen verpasst habt könnt ihr den Stream hier nochmal angucken:
