Alpine rettet Teamtitel – Engelsiepen siegt, Frommherz feiert Podium

Ferrari mit Doppel-Pole, Alpine im Hintertreffen – das Finale der Formel1-liga.de in Abu Dhabi begann mit klaren Vorzeichen und maximalem Druck. Mit einem Sieg von Kai Engelsiepen holten die Roten zwar den Pflichtteil im Titelkampf, doch mit Zunkers zweitem und Tejedas neuntem Platz rettete Alpine den Vorsprung aus Jeddah mit letzter Kraft über die Linie.
Am Ende entschied ein Fehler von Peter Hristov die Team-WM – am Ende fehlen Ferrari fünf Zähler auf die pink-blauen.

Für ein sportliches Highlight jenseits der Titelarithmetik sorgte Rückkehrer Andreas Frommherz, der beim Comeback nach starker Fahrt auf dem Podium landen dürfte, obwohl zunächst Philip Kruse erstmals mit den Top 3 feiern durfte. Dessen Gier und Ungeduld dürfte ihm letztlich aber am grünen Tisch den ersten Pokal in der Formel1-liga.de kosten.


Die Rechnung vor dem 16. Saisonlauf war einfach – 13 Punkte betrug der Vorsprung von Alpine auf Ferrari. Jeder Ferrari-Doppelsieg hätte gereicht, um den Franzosen den sicher geglaubten Team-Titel in letzter Sekunde noch zu entreißen. Umgekehrt war klar: Gewinnt ein Alpine, ist der Konstrukteurstitel fix. Gelingt es einem Alpine-Piloten, die roten Autos an der Spitze zu „splitten“, musste der zweite Alpine je nach schnellster Runde zwischen Platz sechs und acht ins Ziel kommen, um den Titel nach Hause zu bringen.

Ferrari erledigte im Qualifying zunächst alles, was im eigenen Einflussbereich lag. Peter Hristov holte die Pole, Teamkollege Engelsiepen stellte den zweiten Ferrari daneben. Tobias Zunker musste sich nach einem verkorksten Q2 mit Rang drei zufriedengeben. Noch härter traf es den zweiten Alpine: Rolando Tejeda rollte in Q1 aus. Zwar hatte er sich gerade noch für Q2 qualifiziert, durfte im entscheidenden Schlagabtausch aber nur zuschauen – und war damit im Rennen zur Aufholjagd aus dem Feld verdammt.

Hinter der roten Phalanx und Zunker überzeugte einmal mehr Philipp Kruse im Mercedes mit Startplatz vier. Überraschend stark präsentierten sich Johann Asanger im Red Bull und Rückkehrer Andreas Frommherz, die gemeinsam die beiden Haas von Bastian und Christian Boll in die vierte Startreihe verdrängten. Andreas Fischer stellte seinen Racing Bull neben Tejeda auf Rang neun, während Bechtel und Papia die Top Ten knapp verpassten. Langner, Ragland und Böhme mussten nach einem Qualiverbot sogar von ganz hinten losfahren.

Vor dem Start führte Ferrari die Team-WM mit der Ausgangslage also an, Alpine war gezwungen, verlorenen Boden wieder gut zu machen.

Am Start versuchte Zunker, die größere der beiden Lücken in der Rechnung sofort zu schließen. Ein Platzgewinn gegen einen der Ferrari hätte den Druck auf die Roten früh erhöht. Doch Engelsiepen machte die Tür am Ausgang von Kurve 1 seelenruhig zu und kochte den Alpine souverän ab. Hristov blieb vorne, die rote Doppelführung hielt – der erste Schlag gegen Alpines Titelhoffnungen war gesetzt.

Noch bitterer wurde es für die französische Truppe wenige Sekunden später: Tejeda geriet am Ausgang von Kurve 1 in eine Kollision mit Andreas Fischer im Racing Bull, drehte sich und stand kurzzeitig sogar entgegen der Fahrtrichtung. Der WM-Fünfte konnte immerhin mit intaktem Frontflügel weiterfahren und den Anschluss ans Feld rasch wieder herstellen – aber erst einmal ganz hinten. Für Fischer war der Abend damit sportlich praktisch gelaufen; mehr als Platz 13 sollte nach dem Zwischenfall nicht mehr möglich sein.

Hinter den Ferrari verteidigte Zunker Rang drei, während sich Asanger kurz auf Platz vier zeigte. Doch schon vor der ersten Spitzkehre stellte Kruse die ursprüngliche Ordnung wieder her und schnappte sich die vierte Position zurück. Wie sich später herausstellen sollte, war genau dieser Move Gold wert: Der Mercedes ordnete sich danach im Niemandsland zwischen Spitzengruppe und Verfolgerfeld ein, während Asanger auf Platz fünf einen Zug formierte, in dem sich Haas, Williams und der einzige McLaren im Feld, der von Daniel Böhme, im ersten Stint weitgehend neutralisierten.

An der Spitze spielten Hristov und Engelsiepen zunächst ein erwartbares Teamspiel. Bereits in Runde 2 tauschten die Ferraris die Plätze, um Hristovs Reifen im DRS-Bereich hinter Engelsiepen zu schonen und Zunker den Zugriff auf Platz zwei zu erschweren. Doch wie schon so oft in den letzten Rennen lauerte der frischgebackene Doppelweltmeister auf kleinste Fehler. In Runde 11 nutzte Zunker eine kleine Unaufmerksamkeit Hristovs, und drückte seinen Alpine am Bulgaren vorbei auf Platz zwei. Im Titelkampf war damit ein erster wichtiger Stein verschoben, auch wenn sich Tejeda im Hinterfeld deutlich schwerer durchs Feld arbeitete als erhofft. Die vermeintlich endgültige Wende im WM-Puzzle folgte nur vier Runden später und an exakt der Stelle, an der zuvor schon Tejeda und Fischer in Probleme geraten waren: Hristov verlor seinen Ferrari in der Anfahrt, schlug in die Mauer ein und beschädigte sich den Frontflügel. Eine schier endlose Runde schleppte er den stark untersteuernden Ferrari ohne Flügel um den Kurs, ehe der Reparaturstopp ihn ans Ende des Feldes zurückwarf. Als Draufgabe zwang ihn die Strategie auf einen extrem langen Soft-Stint, der ihn zwar noch bis auf einen im Kontext beachtlichen sechsten Platz nach vorne brachte – den Traum vom Doppelsieg aber zerstörte und den Team-WM-Titel in weite Ferne rücken ließ.

Denn rechnerisch genügte Alpine nun bereits ein 13. Platz von Tejeda, um neben der Fahrer- auch die Team-WM zu sichern – vorausgesetzt, die Konstellation an der Spitze blieb stabil. Doch weder Zunker noch Tejeda hatten Lust, sich auf ihre Taschenrechner zu verlassen. Vorne entwickelte sich ein klassisches Undercut-Spiel: Zunker jagte Engelsiepen durch die Nacht von Abu Dhabi, beide stets mit Blick auf die Boxenstrategie. Kruse konnte mit den beiden Spitzenreitern nicht ganz mithalten, doch er baute seinen Vorsprung auf das Verfolgerpaket rund um Asanger stetig aus – alte Muster, bekannte Rollenverteilung.

Erst als die Lücke nach hinten bereits auf fünf Sekunden angewachsen war, brach Bastian Boll als erster aus dem Asanger-Zug aus und suchte sein Heil in der Flucht nach vorne. Der Plan ging jedoch nur bedingt auf: Der Haas konnte sich zwar leicht von Asanger absetzen, verlor im Schnitt aber weiter bis zu einer Sekunde pro Runde auf Kruse und fand keine Antwort auf die Pace des Mercedes. Kruse wiederum fehlten zwei, drei Zehntel pro Umlauf auf das Ferrari-Alpine-Duo an der Spitze.

Im Kampf um den Sieg reduzierte sich die strategische Frage damit darauf, wer mit seinem Boxenstopp jene Lücke erwischt, die sich zwischen Kruse und dem Haas von Bastian Boll auftat?

Engelsiepen traf das Fenster perfekt. In Runde 23 bog er an die Box ab, kam nach seinem Stopp genau in der sauberen Luft direkt vor Boll wieder auf die Strecke. Zunker setzte fortan auf den Overcut, blieb fünf Runden länger draußen, setzte auf den Reifenvorteil und holte sich in dieser Phase zunächst auch prompt die schnellste Runde – ein potenziell wichtiger Punkt im Teamkampf.

Als die Schritte nach vorne jedoch immer kleiner wurden, zog der Weltmeister die Reißleine: Anstatt alles in eine späte Attacke auf Engelsiepen zu werfen, konsolidierte er Platz zwei. Der Sieg würde an Ferrari gehen – aber der Titel sollte bei Alpine bleiben, wenn der Rest passte.

Und so änderte sich im zweiten Stint das Bild kaum: Vorne kontrollierten Engelsiepen und Zunker das Tempo, dahinter hielt Kruse seine Position souverän. Bis zur 42. Runde baute der Mercedes seinen Vorsprung auf die Verfolger auf knapp 30 Sekunden aus. Erster Mann hinter ihm war inzwischen Andreas Frommherz, der sich nach und nach aus dem Asanger-Zug gelöst und Bastian Boll in Runde 40 von Platz vier verdrängt hatte.

Die große Lücke nach hinten weckte beim Mercedes-Piloten offenbar Begehrlichkeiten. Kruse wollte seinen bis dato größten Erfolg in der formel1-liga.de mit einem zusätzlichen Punkt für die schnellste Runde veredeln. Der Plan: Später Boxenstopp, frische Reifen, volle Attacke.

Doch der Traum vom perfekten Abend scheiterte ausgerechnet an der Einfahrt in die Boxengasse. Beim Anbremsen holte sich Kruse einen Schaden am Wagen, der einen längeren Aufenthalt an der Box notwendig machte, als es ein reiner Reifenwechsel erfordert hätte. Das er dadurch nur knapp vor Frommherz wieder auf die Strecke kam, dürfte ihn nur kurz erschreckt haben, anders als die Tatsache, dass ihm im Nachgang nun noch Ärger mit der REKO droht: Beim Abbiegen in die Boxengasse überfuhr er die weiße Linie – ein klarer Regelverstoß.

Die obligatorische Fünf-Sekunden-Strafe dürfte ihn nachträglich hinter Frommherz und Bastian Boll auf Rang fünf zurückwerfen. Die Podiumspremiere muss er dann an den Mann hinter ihm weiterreichen: Andreas Frommherz, der sein Comeback mit seinem ersten Podium seit seinem Sieg in Interlagos 2019 krönen dürfte.

Immerhin gelang Kruse auf der Strecke noch das kleine Trostpflaster, Zunker die schnellste Runde zu entreißen und damit jenen Extrapunkt, der den Kommandoständen von Alpine und Ferrai die Rechenschieber noch einmal rauskramen ließ.

Bastian Boll wird durch Kruses Missgeschick nach einem strategisch sauberen Abend noch auf den vierten Platz aufrücken. Der Haas-Pilot, entschied damit das bis zuletzt offene Duell um Rang vier in der Fahrerwertung zu seinen Gunsten. Dass seine direkten Rivalen Lars Meisen und Link das Finale verpassten und Rolando Tejeda stets mit Respektabstand hinter dem Haas-Piloten blieb, spielte ihm dabei in die Karten – schmälerte seine Leistung aber keineswegs. Nach manch frustrierenden Rennverläufen mit unnötigen Strafen im Saisonverlauf war Abu Dhabi immerhin der konsequente, kontrollierte Abschluss einer starken Saison.

Spannend blieb es bis zum Schluss dennoch – denn trotz der Hristov-Aufholjagd und der Kruse-Strafe mussten Alpine und Ferrari in den letzten Runden noch einmal nachrechnen, als sich zwei Duelle in der Schlussphase zu einem Vierkampf zusammenschoben.

Vorne verteidigte ein angeschlagener, aber entschlossen fahrender Peter Hristov seinen sechsten Platz mit Händen und Füßen gegen Johann Asanger. Dahinter lieferten sich Rolando Tejeda und Christian Boll ein zähes Ringen um Platz acht, jener Position also, die das Pendel je nach schnellster Runde noch einmal ausschlagen lassen konnte.

Tejeda verteidigte über mehrere Runden hinweg hart, aber innerhalb des Erlaubten gegen den Haas. In der letzten Runde setzte er vor der Schikane zum Überholmanöver gegen Asanger an, verpasste jedoch den Scheitelpunkt des Kurveneingangs. Die Lücke lud Boll zum Angriff ein – doch beim Versuch, mit mehr Schwung aus der Schikane auf die letzte Gerade zu gehen, verhakten sich beide Fahrzeuge.

Lachender Dritter in dieser Szene war Jürgen Bechtel. Der Williams-Pilot war zunächst hinter dem Alpine-Haas-Duo zurückgefallen, nutzte die Kollision jedoch eiskalt, um sich in der allerletzten Runde Platz acht zurückzuholen und damit ein starkes Gesamtresultat für Williams abzurunden.

Für Alpine entscheidend: Weitere Fahrer profitierten nicht mehr von der Kollision zwischen Tejeda und Boll, so dass sie ihre Autos trotz des Zwischenfalls auf den Positionen neun und zehn ins Ziel brachten. Viel gefehlt hat dabei derweil nicht: Daniel Böhme fuhr trotz Startplatzhandicap ein richtig ordentliches Rennen, hing schon am DRS-Zug um Asanger – bis ihn kurz vor Rennmitte Kurve 1 aushebelte. Am Ende fehlten ihm weniger als fünf Sekunden auf die Top 10. Stefano Papia wiederum zeigte beim Comeback keinerlei Rost, musste sich aber in der letzten Runde noch Böhme geschlagen geben. Gepaart mit der Tatsache, dass Kruse Hristov um mehr als fünf Sekunden distanzierte – und damit auch mit Strafe vor dem Ferrari bleiben dürfte –, ergab die Endabrechnung einen Vorsprung von fünf WM-Zählern zugunsten der französischen Marke.

Für Fischer war nach dem Startkontakt dagegen nicht mehr als Platz 13 drin. Er ließ letztlich nur noch die beiden Sauber hinter sich, die für den kuriosesten Moment des Abends sorgten. Nach seiner Ausfahrt aus der Boxengasse unterschätzte Kenneth Ragland offensichtlich die geringe Temperatur in seinem Medium-Reifen und drehte sich in der Unterführung ins Aus. Seine Saison endete damit in der 26. Runde, während sein Teamkollege Thomas Langner, die Hoffnung aufrechterhielt, dass sich das Sauber Team doch noch einmal die fünfte Position in der Team-WM zurückholt. Seine zwei Zähler reichten am Ende aber nicht ganz für dieses Unterfangen.

Unterm Strich erzählt Abu Dhabi zwei Geschichten gleichzeitig.

Die eine ist rot: Kai Engelsiepen bringt den Ferrari mit einem sauber und letztlich souverän herausgefahrenen Sieg ins Ziel, bestätigt seine Rolle als härtester Gegner des Weltmeisters und liefert dem Team nach einem starken Qualifying den maximal möglichen Rennerfolg. Hristov kämpft sich nach Fehler und Flügelschaden noch auf Rang sechs zurück, hält im Schlussakkord Asanger in einem sehenswerten Duell hinter sich – Ferrari verabschiedet sich nach einer starken zweiten Saisonhälfte also erhobenen Hauptes in die Winterpause. Wenn das Team in der kommenden Saison an der aktuellen Performance anknüpfen kann, dürfte es sich schnell als heißeste Aktie im Kampf um beide Titel herauskristallisieren.

Die andere Geschichte ist pink-blau: Tobias Zunker kontrolliert das Risiko, wird starker Zweiter, verliert zwar die schnellste Runde, aber gewinnt das, worauf es am Ende ankommt – gemeinsam mit Tejeda den Teamtitel. Der zweite Alpine-Pilot steuert aus schwierigster Ausgangslage entscheidende Punkte bei, hält dem Druck von Boll im Schlussakt stand und macht damit aus einem nervösen Abend einen erfolgreichen für Alpine.

Dazwischen steht das Comeback von Andreas Frommherz, dessen ruhige, abgeklärte Fahrt ihn nach Strafen und Strategiepoker anderer nachträglich auf das Podium spülen wird – sein erstes seit dem Triumph 2019 in Interlagos. Und ein Philipp Kruse, der die bisher größte Chance seiner Laufbahn mit einem kleinen Fehler an der Boxeneinfahrt verspielt, zugleich aber mit Pace und schnellster Runde zeigt, wie nah er der Spitze schon ist.

So geht eine Saison zu Ende, in der Ferrari und Alpine spätestens ab dem Sommer den Ton angaben, Haas immer wieder für Schlagzeilen sorgte und Fahrer wie Bastian Boll, Andreas Fischer und nicht zuletzt auch Philipp Kruse feste und nachdrückliche Versprechen für die Zukunft abgaben. In Abu Dhabi gehörte der Zieleinlauf zwar Ferrari – die wichtigsten Pokale der Saison wanderten am Ende des Abends aber in die Alpine-Garage.

Mit diesen Erkenntnissen verabschiedet sich der Rennzirkus nunmehr in die wohlverdiente Winterpause. Was die mit dem Kräfteverhältnis machen wird, wird sich Anfang März zeigen, wenn die Formel1-liga.de im Albert-Park von Melbourne am 06.03.2025 in ihre 25. Saison starten wird.

Rennergebnis, WM-Stand und Live-Stream

Der WM-Stand ist hier zu finden

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