Adrian Gredore: „Es war vielleicht mein schlechtestes Rennen in der Formel1-Liga.de“

Adrian, ein gutes Qualifying, ein guter Start, aber das Rennen verlief nicht so wie gewollt. Auch die WM-Führung musstest du an Thomas Spieler abgeben, der nun zwei Punkte vor dir ist. Was war los mit Virgin in Barcelona?
Adrian Gredore: Bei mir lief es zunächst überragend. Im Qualifying zwar knapp die Poleposition verpasst. Aber am Start konnte ich locker an Mario vorbeiziehen und mir die Spitzenposition sichern. Spieler und Müller hatten dann recht schnell Dreher und Patzer und waren so weit weg, dass ich mir schon fast zu sicher war. Das war dann wohl auch der Fehler.

Ich kam in einen sicheren, aber langsameren Rhythmus rein, den ich nicht mehr verlassen konnte. Als ich es versuchte, weil Spieler auf zwei auftauchte und sich näherte, kam mein Fehler. An einer Stelle wo ich in den Trainings kaum Probleme hatte. Ich konnte es kaum glauben, bis ich meinen Frontflügel neben mir liegen sah. Danach hatte ich nichts mehr entgegenzusetzen und musste mit dem dritten Platz zufrieden sein. Es war vielleicht mein schlechtestes Rennen in der Formel1-Liga.de, weil ich in der Lage war, zu gewinnen und mir der Sieg durch deren Fehler fast auf einem Goldtablett serviert wurde.

Kai hatte ein ganz gutes Rennen. Sein bestes dieses Jahr. Leider hat er bei seinem Boxenstopp den Fehler gemacht, sein Auto zu reparieren. Dabei hat er mehr als 10 Sekunden verloren und am Ende war er nur einen Wimpernschlag hinter Edgar Ostermann. Somit war es kein gutes Rennen für uns, da wir die Spitzenposition in der Fahrer-WM und den zweiten Platz in der Team-WM verloren haben. Wir tragen beide gleichermaßen dazu bei und nur zusammen können wir uns aus diesem Tief fahren.

Dein Teamkollege scheint im Moment nicht in der Form zu sein, die mittlerweile von ihm erwartet wird. Vor allem um in der Team-WM vorne mitzuhalten.
Denkst du, Kai ist der richtige für diesen Job? Oder gibt es jemanden, mit dem du das ganze lieber angehen würdest, damit du Schützenhilfe hast, wenn dein Teamkollege vorne mitmischt und dem einen oder anderen Fahrer einen Punkt stiehlt?

Adrian Gredore: Es stimmt, Kai hatte keinen guten Start in die Saison. Viel Pech, dazu kamen eigene Fehler, ein weggeworfenes Rennen durch zu wenig Benzin. Man vergisst dabei aber, dass er immer noch zu den unerfahrenen Fahrern zählt und Fehler einfach passieren müssen, um daraus lernen zu können. Das ist ein Prozess, der manchmal hart und steinig ist und genau in diesen Momentan trennt sich die Spreu vom Weizen.

Er hat jetzt die Wahl, an sich zu zweifeln, verbissen zu werden und dadurch immer mehr Fehler zu machen. Oder er sieht das als einen Prozess zu einem Topfahrer, arbeitet weiter an sich und lernt aus seinen Fehlern.

Momentan tendiert er manchmal zur ersten Variante. Er zweifelt manchmal an seinem Speed, versucht mehr rauszuholen, als vielleicht drin ist und macht dann Fehler. Ich hoffe, er akzeptiert seinen momentanen Speed und versucht, daraus das Beste heraus zu holen. Mit dieser Taktik hätte er wahrscheinlich mehr Punkte.

Das Team steht weiterhin hinter Kai. Wir wissen um sein Talent und sind davon überzeugt, dass er sich weiterhin steigern wird. Kleine Formkrisen hat jeder. Da darf man nicht gleich in Panik verfallen. Klar hätte ich mit Kevin oder Spieler mehr Punkte. Aber es geht auch um das Verhältnis im Team. Wenn ich irgendetwas ausprobieren möchte, ist Kai immer da und unterstützt mich. Wir pushen uns oft gegenseitig. Außerdem trainieren wir oft gleich viel, was man von vielen anderen Fahrern nicht sagen kann. Somit bin ich zufrieden mit der aktuellen Besetzung im Team.

Thomas Spieler scheint immer mehr dein Hauptkonkurrent zu werden, obwohl man Kevin, Ralf und Mario nicht vergessen darf, die auch sehr gut unterwegs sind.
Die Schwächen aber liegen momentan in der Konstanz, immer wieder passieren Fehler auch im vorderen Fahrerfeld. Kann es von Vorteil sein, auch mal Drei Zehntel langsamer zu fahren, aber dafür konstanter, und vor allem sicherer?

Adrian Gredore: Kevin Pflüger ist für mich weiterhin der Favorit auf den Titel. Mein mittelfristiges Ziel wird es aber, vor Thomas Spieler ins Ziel zu kommen. Ich werde mich voll auf ihn konzentrieren. Nicht nur, weil er in der Fahrer-WM zwei Punkte vor mir ist. Vor allem der Verlust des zweiten Platzes in der Konstrukteuresmeisterschaft wurmt mich. Die Aufgabe von Kai wird es sein, vor Edgar Ostermann ins Ziel zu kommen. Ich muss mich um Spieler kümmern. Es wird für beide keine einfache Aufgabe sein. Freuen uns aber auch auf die Herausforderung.

Das mit den Fehlern fällt im Vergleich zur Vorsaison auf. Die neue Fahrphysik und die neuen Reifen machen allen das Leben schwer und jeder macht mehr Fehler. Ich denke schon, dass es von Vorteil ist, in den Rennen nicht zu viel zu pushen. Es kommt natürlich immer auf den Rennverlauf an. Aber einen Dreher kann man normalerweise nie aufholen, egal wie man pusht. Deshalb versuche ich in den Rennen, nicht zu sehr zu pushen, um keine Fehler zu haben. Manchmal geht es auf, manchmal bin ich zu langsam. Allgemein hat sich diese Taktik jedoch am Ende einer langen Saison immer gelohnt. Leider hatte ich in dieser Saison schon zwei Dreher. Zum Vergleich, letzte Saison war es insgesamt einer. Somit habe ich mein Kontingent schon überschritten. Wenn ich weiterhin um die Weltmeisterschaft kämpfen will, dürfen in der restlichen Saison solche Fehler nicht mehr passieren.

Das nächste Rennen findet in Montreal statt. Im letzten Jahr auf Platz 3 nach dem Rennen. Dieses Jahr ist aber einiges anders: Mehr Konkurrenz, schwierigere Bedingungen mit den Reifen und natürlich den Bremsen, die hier immer eine große Rolle gespielt haben. Wir haben gesehen, dass du schon ein paar Mal auf der Strecke warst. Bist du zufrieden mit den bisherigen Tests und was versprichst du dir vom Rennen?

Adrian Gredore: Die Tests verliefen vielversprechend. Der Speed von Kai ist gut. Wenn er noch etwas konstanter in Kanada wird, dann sind wieder gute Punkte drin. Ich bin momentan in der Lage, um Podestplätze zu kämpfen. Wenn ich um den Sieg fahren will, muss ich noch das eine oder andere Zehntel finden. Die Zeit dafür ist da. Ob es gelingt, werden wir in einer Woche sehen.

Im Namen der Presse bedanke ich mich für das Interview und wünsche dir weiterhin viel Glück für die Saison 2011